Stürze im Alter vermeiden: Checkliste für die Wohnung, Raum für Raum

Redaktion caalyx.eu · Stand 20. Oktober 2026

Viele Stürze im Alter passieren in der eigenen Wohnung, und häufige Ursachen lassen sich mit einfachen Mitteln beseitigen: gute Beleuchtung, freie Wege ohne lose Teppiche und Kabel, rutschfeste Böden, Haltegriffe im Bad und feste Schuhe. Für Umbauten wie Haltegriffe, Handläufe oder eine bodengleiche Dusche zahlt die Pflegekasse ab Pflegegrad 1 bis zu 4.180 € je Maßnahme, wenn Sie den Antrag vor Beginn stellen. Ergänzend helfen regelmäßige Bewegung und ein Hausnotruf, damit nach einem Sturz schnell Hilfe kommt. Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung.

Häufige Sturzursachen

Stürze haben meist mehrere Ursachen zugleich. Man unterscheidet grob:

Bereich Beispiele
Wohnung Lose Teppiche, Kabel, Schwellen, glatte Böden, schlechtes Licht, fehlende Handläufe
Körper Nachlassende Kraft und Balance, Seh- oder Hörprobleme, Schwindel, Unsicherheit beim Gehen
Alltag Eiliges Aufstehen in der Nacht, Steigen auf Stühle, ungeeignetes Schuhwerk
Medikamente Manche Wirkstoffe können müde oder schwindelig machen, besonders in Kombination

Wenn Sie oder Ihr Angehöriger bereits gestürzt sind oder sich beim Gehen unsicher fühlen, sprechen Sie das in der Hausarztpraxis an. Dort lassen sich mögliche Ursachen abklären, etwa Sehvermögen, Kreislauf oder die Medikation. Setzen Sie Medikamente niemals eigenmächtig ab.

Checkliste Raum für Raum

Flur und Wohnbereich

  • Laufwege frei halten, Möbel so stellen, dass nichts im Weg steht.
  • Lose Teppiche entfernen oder mit rutschfester Unterlage sichern.
  • Kabel an der Wand entlang führen oder in Kabelkanälen verlegen.
  • Lichtschalter gut erreichbar, am besten direkt am Eingang jedes Raums.
  • Stabile Sitzmöbel mit Armlehnen erleichtern das Aufstehen.

Schlafzimmer

  • Licht vom Bett aus schaltbar, zum Beispiel eine Nachttischlampe oder ein Bewegungslicht.
  • Bett in einer Höhe, in der die Füße beim Sitzen flach auf dem Boden stehen.
  • Weg zum Bad nachts beleuchtet, etwa mit Nachtlichtern in der Steckdose.
  • Telefon oder Notrufknopf in Reichweite des Betts.

Bad

  • Rutschfeste Matten in Dusche oder Wanne und davor.
  • Haltegriffe an Toilette, Dusche und Wanne, fest in der Wand verankert.
  • Duschhocker oder Klappsitz für sicheres Sitzen beim Duschen.
  • Bodengleiche Dusche statt hohem Wanneneinstieg, wenn ein Umbau möglich ist.
  • Toilettensitzerhöhung, wenn das Aufstehen schwerfällt.

Küche

  • Häufig genutzte Dinge in Griffhöhe aufbewahren, damit niemand auf Stühle steigen muss.
  • Verschüttetes sofort aufwischen.
  • Bei Bedarf eine stabile Trittleiter mit Haltebügel statt eines Stuhls.

Treppen und Eingang

  • Handlauf auf beiden Seiten, durchgehend vom ersten bis zur letzten Stufe.
  • Stufenkanten farblich markieren, gute Beleuchtung oben und unten.
  • Außenbereich im Winter räumen, rutschfeste Fußmatte am Eingang.

Kleidung und Schuhe

  • Feste Schuhe oder Hausschuhe mit geschlossener Ferse und rutschfester Sohle.
  • Keine zu langen Hosen oder Morgenmäntel, über die man stolpern kann.
  • Brille und Hörgerät regelmäßig prüfen lassen und tatsächlich tragen.

Bewegung, Kraft und Gleichgewicht

Kraft und Gleichgewicht lassen sich in jedem Alter trainieren. Übungen für Beine, Rumpf und Balance gelten als sinnvoll, um sicherer zu gehen. Welche Übungen in welchem Umfang zu Ihnen passen, hängt von Ihrem Gesundheitszustand ab: Klären Sie das bitte vorher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in einer Physiotherapie. Viele Krankenkassen bieten Präventionskurse an oder bezuschussen sie, fragen Sie dort nach Angeboten in Ihrer Nähe. Auch Seniorensportgruppen in Vereinen und Begegnungsstätten können ein Einstieg sein.

Hilfsmittel und Zuschüsse

Hilfe Wer kann zahlen? Hinweis
Haltegriffe, Handläufe, bodengleiche Dusche, Türschwellen entfernen Pflegekasse (Wohnumfeldverbesserung) ab Pflegegrad 1 Bis 4.180 € je Maßnahme, Antrag vor Beginn
Hausnotruf (Basis) Pflegekasse bei Pflegegrad und Voraussetzungen Basistarif 27 € netto im Monat seit 01.04.2026
Rollator, Gehstock, Duschhocker Je nach Hilfsmittel Krankenkasse oder Pflegekasse Ärztliche Verordnung bzw. Antrag klären
Nachtlichter, rutschfeste Matten In der Regel selbst Geringe Kosten, große Wirkung

Die Rechtsgrundlage für den Zuschuss zu Umbauten finden Sie in § 40 SGB XI. Wie Sie den Antrag stellen und was als eine Maßnahme zählt, erklärt der Ratgeber Wohnraumanpassung: Zuschuss. Voraussetzung für die Leistungen der Pflegekasse ist ein Pflegegrad, den Sie beantragen können.

Nach einem Sturz schnell Hilfe bekommen

Nicht jeder Sturz lässt sich verhindern. Umso wichtiger ist, dass Hilfe schnell kommt, besonders wenn jemand allein lebt. Ein Hausnotruf mit Knopf am Handgelenk oder als Kette verbindet per Knopfdruck mit einer Notrufzentrale. Bei Pflegegrad und erfüllten Voraussetzungen übernimmt die Pflegekasse den Basistarif, Details stehen im Ratgeber Hausnotruf: Kosten und Zuschuss. Zusätzliche Sturzsensoren, die automatisch Alarm auslösen, erklärt der Beitrag Sturzmelder und Smart Home.

Üben Sie außerdem, wie man nach einem Sturz sicher wieder aufsteht oder sich bemerkbar macht, wenn das nicht gelingt. Eine Physiotherapie kann das zeigen.

So gehen Sie vor

  1. Wohnung mit dieser Checkliste Raum für Raum durchgehen und einfache Dinge sofort erledigen.
  2. Sturzrisiko und Medikation in der Hausarztpraxis ansprechen.
  3. Größere Umbauten planen, Kostenvoranschläge einholen und den Zuschuss vor Beginn beantragen.
  4. Hausnotruf prüfen, wenn die Person allein lebt.
  5. Bewegung in den Alltag einbauen, nach ärztlicher Rücksprache.

Weitere Beiträge finden Sie im Themenbereich Hausnotruf und Technik.

Häufige Fragen

Was sind die häufigsten Stolperfallen in der Wohnung?

Lose Teppiche und Kabel, schlechte Beleuchtung, nasse Böden im Bad, Schwellen und Treppen ohne Handlauf. Auch ungeeignete Schuhe und Hausschuhe ohne Fersenhalt erhöhen das Risiko.

Zahlt die Pflegekasse Haltegriffe und eine bodengleiche Dusche?

Ab Pflegegrad 1 kann die Pflegekasse wohnumfeldverbessernde Maßnahmen mit bis zu 4.180 € je Maßnahme bezuschussen. Stellen Sie den Antrag vor Beginn der Arbeiten.

Welche Übungen helfen gegen Stürze?

Kraft- und Gleichgewichtstraining gilt als sinnvoll. Welche Übungen und welches Maß für Sie passen, klären Sie bitte mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer Physiotherapie.

Können Medikamente das Sturzrisiko erhöhen?

Manche Medikamente können Schwindel oder Müdigkeit verursachen. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab, sondern bitten Sie die Hausarztpraxis, Ihre Medikation zu überprüfen.